Der König der Limousinen, genannt „Elefant“

 

 

Als Hochzeitskutsche in Berlin (vor dem Standesamt)

 

Geschichte

Der Jaguar Mk VII folgte 1950 (Debüt auf der Earls Court Motor Show im Oktober 1950) auf den Jaguar Mk V (einen Mk VI gibt es nicht, weil Bentley seinen Saloon so genannt hatte).

Der „Saloon“ wurde von Mr. William Lyons (Jaguar-Gründer und Seele des Unternehmens) eigenhändig karossiert, angeblich mit Pappmache´ über einem Mk V, weshalb der Wagen an keiner Stelle kleiner ist als sein Vorgänger.

Das Modell überzeugte durch

                                           Grace (Stil), Space (Platz) und Pace (Tempo).

Dieser von Jaguar gewählte Slogan drückte exakt die Begeisterung aus, die dem „großen Jaguar“ entgegen schlug. Er gehörte zur Ausstattung der Schönen und Reichen. Queen mum fuhr ihn ebenso (eigenhändig!) wie Sterling Moos, von dem der Spitzname „Elefant“ stammt.

Befragt, was er als Rennfahrer von einer so schweren Limousine halte, soll er geantwortet haben: “Der Elefant und ich sind immer gut miteinander ausgekommen“.

Im Jahr 1956 gewann ein Jaguar Mk VII die Rallye Monte Carlo.

 

 
Der geniale Reihensechszylinder Querstrom-Motor

Technische Daten

 

Der Motor stammt aus dem XK 120.            

Ursprünglich sollte das grandiose Triebwerk (entworfen von Hassan, Heynes und Baily) zuerst in eine Limousine eingebaut werden. Aus Zeitgründen wurde umdisponiert, weil sich ein Sportwagen – der 1949 vorgestellte XK – schneller entwickeln ließ.

Ab März 1953 wurde als Sonderausstattung das amerikanische Automatikgetriebe von Borg-Warner angeboten, für englische Fahrzeuge ein Novum.

Ab September 1954 wurde die M (für: modified)-Version ausgeliefert, die zahlreiches Zubehör nun serienmäßig enthielt und im Detail aktualisiert wurde (zB:  Blinker statt Winker)

      

      

      

       

       

Unser „Elefant“

ist ein links gelenkter Mk VII M BW (Borg-Warner = Automatik) und stammt aus der letzten Baureihe 1957.

Leistung:         190 PS und 29 mkg bei 3000 U/min.

Farbe:              Cornish grey (Originalton und Modefarbe 1957)

 

 

Der Wagen lief zunächst in Amerika und war dort zuletzt zugelassen auf

                                  Joseph Bullock, 19511 Columbine, Rialto CA 92376.

Am 05. März 1996 wurde das Fahrzeug über Hamburg nach Deutschland importiert.

Am 09. Okt. 1998 hat Dirk den Wagen im Zustand 4 von einem badischen Autohändler  für 17.000 DM – am 18.10.1998 wegen weiterer Mängel auf 15.000 DM reduziert – erworben.

Am 14. Aug. 2000 wurde der Elefant nach umfangreicher Restauration als Oldtimer für den Straßenverkehr zugelassen. Seitdem ist er ununterbrochen in Betrieb für:

 

Spazierfahrten bei „englischem Wetter“
Fahrten zum Arbeitsplatz
Hochzeits- und Jubiläumsfahrten

 

Die Ausstattung

des Mark VII ist luxuriös und hat von ihrer Strahlkraft nichts eingebüßt. Der gediegene Innenraum ("saloon") lebt von edlen Stoffen, bestem Leder und poliertem Wurzelholz:

Das Armaturenbrett auf der Beifahrerseite

 

   

      

Der Fahrgastraum in Leder, Holz und Wolle

   

   

Im Fond mit Barfach und Klapptisch

 

Die Formgebung

der Karosserie verleiht dem Fahrzeug den Hauch einer (mobilen) Skulptur. Die funktional notwendige Masse und Größe einer 6-sitzigen Limousine wird aufgelöst durch Rundungen und geschwungene Linien, die als solche dem Auge Harmonie und Leichtigkeit signalisieren sowie im Zusammenwirken eine ganzheitliche Gestaltungswirkung ausstrahlen.

Der Aufbau ist schnörkelfrei, aber keineswegs schmucklos
Die Kühlermaske ist im Gegensatz zu Konkurrenzmodellen weich gezeichnet
Das gilt auch für den gesamten Unterbau mit seinen ausgeprägten Rundungen

 

   

   

Die seitliche Linienführung

besticht schon durch die Dachrundung, die gelegentlich als jaguar-typischer "Hinterkopf" charakterisiert wird. Ebenso markant sind die ausgeglichenen Fensterflächen mit ihren Chromeinfassungen, die über das vordere Dreiecksfenster und unterstützt durch die Türgriff-Zierleiste pfeilartig nach vorne weisen. Der Unterbau lebt vom Schwung der Kotflügel, die großflächig und mit großzügigem Strich ineinander verschmelzen.

 

Das Heck

ist so gestaltet, dass es den Wagen - im Wortsinn - nach hinten abrundet und so den Eindruck von Abgeschlossenheit vermittelt. Als stilistisches Element dienen hierfür insbesondere die Radabdeckungen (spats), die allerdings zugleich auch aerodynamisch vorteilhaft sind.

Das rundliche Fahrzeugprofil von hinten im Querschnitt

   

Das Besondere

unseres Elefanten ist seine Ausrüstung für den Alltagsbetrieb im Winter.

Dem Ankauf des Fahrzeugs ging die Suche nach einem wintertauglichen Oldtimer voraus, der sowohl den Vorstellungen von einer gelungenen Limousine entsprach als auch geeignet war, im Winter für die Fahrten vom Wohnort zur Arbeitsstelle (einfacher Weg ca. 35 km) zu dienen. Die Entscheidung für „das“ Top-Modell aller bekannten Marken war aufwendig und nicht leicht, fiel aber letztlich eindeutig zugunsten des Jaguar Mark VII M. Als dann schließlich nach einem weiteren Jahr intensiver Suche ein passendes Fahrzeug gefunden war, ging es darum, dieses für den vorgesehenen Zweck so herzurichten, dass die winterlichen Strapazen, nämlich Kälte und Streusalz möglichst wenig Spuren hinterlassen.

Der rechteckige Aufkleber oberhalb des Scheibenwischerblatts ist die Antenne

Der größte Motorenverschleiß geschieht durch Kaltstarts. Das gilt insbesondere für ältere Verbrennungsmotoren mit ihrer relativ groben Steuerungstechnik, weil damit eine optimale Anpassung an Witterung und Motortemperatur nicht zu erreichen ist. Zudem hat der Jaguar-Motor aufgrund seiner hohen Flüssigkeitsmengen von jeweils 12 Liter Motoröl und Kühlwasser (rund vier Mal so viel wie aktuelle Motoren) eine sehr lange Warmlaufphase, weshalb Kaltstarts möglichst vermieden werden sollten.

Das Ergebnis dieser Überlegungen war der Einbau einer funkgesteuerten Benzin-Zusatzheizung (Typ: Webasto Thermo Top Z/C-B) unter dem Wagenboden („Unterflur“) auf der Beifahrerseite, die am Kühlwasser-Kreislauf angeschlossen ist und so den Motor vorwärmen kann. Wenn das geschehen ist, springt auch die Wagenheizung an und wärmt den Innenraum auf.

So kam es, dass der Elefant morgens in der Garage und abends auf dem Betriebsparkplatz mit der idealen Motortemperatur und schön mollig abfahrbereit seinen Führer empfing, wenn etwa 45 Minuten vor dem Start per Fernbedienung vom Frühstückstisch bzw. Arbeitsplatz aus die Heizung gestartet wurde. Der einzig sichtbare Hinweis auf dieses ebenso angenehme wie nützliche „Equipment“ ist die Antenne der Anlage, eine kleine rechteckige Platte innen an der Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite rechts unten.

 

Das

Korrosionsproblem durch Salzwasser

in den Griff zu bekommen, erforderte einen deutlich höheren Aufwand.

Früher waren die Behörden jedenfalls überwiegend noch so fürsorglich, dass sie Streusalz mit Korrosionsschutz einsetzten, was zwar teurer war als das normale Streusalz, dafür aber weniger Rostschäden verursachte. Aus Kostengründen ist man immer mehr davon abgekommen und mittlerweile findet sogar ein Streusalz Verwendung, welches besonders aggressiv wirkt. Grund ist der Wunsch nach Minimierung des Salzverbrauchs. Um das zu erreichen, werden Zusatzstoffe beigemischt, die eine bessere Haftung auf Oberflächen, feinere Verteilung und damit einen länger andauernden Auftauprozess erzielen. Diese Wirkungen treten natürlich nicht nur auf der Straße ein, sondern ebenso auf altem Autoblech, was empfindlich auf die Säure reagiert, während neuere Fahrzeuge infolge Verwendung anderer Werkstoffe damit in der Regel kein Problem haben.

 

Die feinen Salz-Sprühnebel gelangen überall hin, sind aber im Bereich des Unterbodens besonders schädlich, weil es hier verschiedene Aggregate, Einzelteile und bauliche Unebenheiten gibt, wo sie ihr zerstörerisches Werk unbemerkt verrichten können.

Die Aufgabe lautete deshalb, die gesamte Unterseite vor Vernebelung zu schützen.


Gummimatte im Spurbereich zwischen den Achsen (hier: rechte Fahrzeugseite)

Dabei wurde das Schwergewicht auf den Bereich der beiden Fahrzeugspuren gelegt, weil dort die in den Reifenprofilen eingefangene Nässe mit hoher Geschwindigkeit gegen den Wagenboden schlägt. Um dem zu begegnen, wurden alle Kotflügel mit sogenannten Inlets versehen. Das sind handgefertigte Kotflügel aus Kunststoff, die etwas kleiner als die Blechkotflügel sind und wie eine Innenhülle unter diese montiert werden. Außerdem wurde auf jeder Fahrzeugseite jeweils zwischen dem vorderen und hinteren Kotflügel eine 4 mm starke Gummimatte als Abhängung unter dem Wagenboden eingepasst.

 

       

   

       

Das rechte Bild zeigt - von der Ölwanne aus betrachtet - im linken Spurbereich den Übergang vom vorderen Kunststoff-Innenkotflügel zur streifenförmigen Gummimatte zwischen der Vorder- und Hinterachse. Links vom Hauptträger des Chassis wurde in der Unterboden-Verkleidung eine Aussparung für das Schaltgestänge der Automatik gelassen. (Das runde Eisen in Längsrichtung des Chassis ist die Drehstabfeder für das linke Vorderrad.)

       

       

Der mittlere Bereich des Unterbodens zwischen den Fahrzeugspuren erhielt eine Verkleidung aus Aluminiumplatten, so dass bis auf die notwendigen Aussparungen für Motor, Achsen und Auspuff eine geschlossene glatte Fläche entstanden ist.

glatter Unterboden mit Aussparungen für Motor (Ölwanne) und Auspuff

 

 

Diese Ausrüstung hat sich im Alltagsbetrieb neun Winter lang bis Ende 2008 gut bewährt. Danach gab es keine Fahrten zur Arbeitsstelle mehr.

                             Seit dem Jahr 2009 befinden sich der Elefant und sein Führer im Ruhestand.