Die Wurzeln der Namensbildung Schnapp liegen im Dunkeln.


Im westfälischen Sprachraum hat es sich ursprünglich wohl nur um einen Beinamen gehandelt, der die besondere Fähigkeit des plötzlichen Zugreifens hervorhob. Hierzu finden sich mehrere Urkunden aus dem 13. Jahrhundert, in denen ein Conrad Snap in verschiedenen Schreibweisen aufgeführt ist. Während in Urkunden aus dem Jahr 1296 der Name ohne jeden Zusatz auftaucht, finden sich in späteren Urkunden ergänzende Ausführungen.

Am 25. Januar 1298 kaufte das Kloster Marienfeld von dem Ahlener Bürger Conrad Cluppel das Gut Horsel und erwarb daran das „Obereigenthumsrecht“. Die darüber ausgestellte Urkunde mit vier Siegeln (das Original befindet sich im Kloster Marienfeld, eine Abschrift davon im Staatsarchiv) wurde mit unterzeichnet von

„Conradus dictus Snap“ (= Conrad genannt der Schnäpper).

Gemeinsam mit einem Lubertus handelte es sich hierbei um „milites ac castellani de Marcha et ceteri concastellani ibidem“, also um Soldaten aus dem Kastell Marcha und den zugehörigen Nebenanlagen.

Seinen „Spitznamen“ hatte er wohl bei den Soldaten bekommen, wie sich aus einer anderen Urkunde vom 14. Februar 1298 ergibt, wo die Erteilung einer Vollmacht bezeugt wird von „Conrado milite dicto Snap“, was frei übersetzt so viel heißt, dass dieser Conrad beim Militär der Schnäpper genannt wurde.


Ob sich daraus ein Familienname entwickelt hat, ist nicht überliefert und wohl auch nicht mehr aufzuklären. Im späteren Mittelalter taucht die Bezeichnung in einem anderen Zusammenhang auf: berittene Wegelagerer, die blitzschnelle erscheinen, um Reisende auszurauben, und dann ebenso schnell wieder verschwinden, werden

Schnapphähne

genannt. Womöglich hat sich diese Art der Güterbeschaffung bei „arbeitslosen“ oder marodierenden Sodaten entwickelt, die das schnelle Zupacken gelernt hatten.


In heutiger Zeit


ist der Name Schnapp zwar nicht häufig, aber in Westfalen und in Franken punktuell verbreitet.


Über den „fränkische Zweig“

findet sich im Stadtarchiv von Würzburg ein Eintrag. Das Ratsbuch Nr. 229 zeigt auf Seite 61 das Wappen des Johann Jakob Schnapp aus dem Jahr 1701. In dem Wappenschild findet sich oberhalb eines von links oben nach rechts unten verlaufenden Querbalkens ein Stern und unterhalb dieses Balkens die Darstellung einer Schnepfe. Ob der Wappenvogel nur der Namensähnlichkeit wegen gewählt wurde oder ob es damit eine sachliche Bewandtnis hat, ist nicht bekannt. Mit einem schnellen Zupacken hat die Schnepfe jedenfalls nichts im Sinn. Ihr langer Schnabel ist berührungsempfindlich und dient zum Stochern in weichen Böden, um Kleintiere aufzuspüren.

 

Der „westfälische Zweig“

 

stammt wohl aus der Gegend um Rüthen an der Möhne/Sauerland. Von den Kirchenbüchern der alten Pfarrkirche in Rüthen, deren Ruine heute auf dem Boden des Möhnesees ruht, gibt es eine beglaubigte Abschrift, wonach am 2. April 1736 Anton Franz Schnapp als Sohn des Wilhelm Schnapp geboren wurde. Seither ist die Abstammung in gerader Linie dokumentiert. Als älteste Berufsbezeichnung ist „Lohgärber“ (ab 1826: Lohgerber) vermerkt, was keinerlei Zusammenhang mit einer soldatischen Vorgeschichte erkennen lässt.

Von Rüthen ging ein Teil der Familie nach Westen entlag der Ruhr bis zum Niederrhein und ein anderer Zweig nach Norden bis Cuxhaven/Hamburg.

Unsere direkten Vorfahren sind über Lippstadt nach Münster gezogen, wo sie sich Ende des 19. Jahrhunderts nieder ließen. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts hat Hermann Schnapp ebenfalls ein Familienwappen anfertigen lassen. Es hat keinerlei Bezug zu unserem Namen, sondern steht unter dem Motto von Tugenden, die ihm besonders wichtig waren, im Banner benannt sind und auf dem Wappenschild symbolisch dargestellt werden:


Das Wappen der Familie Schnapp aus Münster