Alte Dorfschule----------Ehemalige Dorfkneipe----------Romanische Dorfkirche

 

Wo die Angel in die Werse mündet,

bilden beide Flüsse die Schenkel eines spitzwinkeligen Dreiecks. Oberhalb der Uferböschungen ist hier das Gelände so erhaben, dass es selbst bei Hochwasser nicht überflutet wird.

Ein solch markanter Platz bietet sich als Aufenthaltsort für Menschen geradezu an, weshalb davon auszugehen ist, dass er schon sehr früh besiedelt wurde. Im neunten Jahrhundert fiel das Gebiet an das münstersche Domkapitel und im elften Jahrhundert wurde die romanische Kirche St. Agatha errichtet. Um diese herum entwickelte sich eine ländliche Bebauung, die 1175 als Angelmudden urkundlich erwähnt wird.

 

 

Romanische Dorfkirche St. Agatha (Ostseite)

 

Was der historische Namensbestandteil "mudden" besagen sollte, ist nicht eindeutig, da er sich sowohl aus Mündung (= Flussmündung) wie aus Niederung (= Flussaue) herleiten läßt. Wahrscheinlicher erscheint die letztgenannte Interpretation, weil das Flussufer der Angel bis zur Teilbegradigung im letzten Jahrhundert durchaus "modderig" gewesen ist. 

       

Angelwiese mit Entwässerung auf der dem Dorfkern gegenüber liegenden Seite

     

Zudem lag die Flussmündung nicht direkt am alten Dorf, sondern mehr als 200 Meter davon entfernt auf dem nördlich vorgelagerten Kamp, der erstmalig im 20. Jahrhundert bebaut worden ist, und zwar mit Kleinsiedlerstellen. Die Häusergruppe in der Mitte des nachfolgenden Bildes ist daraus hervorgegangen. Links der Straße entlang des linken Bildrandes war das alte Dorf.

Die Angel schlängelt sich von unten links nach oben rechts zur Mündung, die (begradigte) Werse verläuft oben quer von links nach rechts

 

Vom Gemeinwesen zum Stadtteil

Noch in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts herrschte in Angelmodde ein reges Dorfleben, das untrennbar mit dem Namen Teupe verbunden war. Herr Teupe war als Küster und Schuster eine Institution. Die Familie lebte in einem Fachwerk-Kotten an der Dorfstraße nahe zum Kirchplatz. Dieses Haus war dörflicher Treffpunkt und Informationszentrale zugleich. Als es abgerissen wurde, um einem gesichtslosen Backsteinbau Platz zu machen, ging ein Stück Identität verloren.

Deren eigentlicher Charme war aber die liberale Grundhaltung der präsenten Dorfbewohner, die sich wohltuend von der verbreitet konservativen Struktur in der Bischofs- und Beamtenstadt Münster abhob. Damit einher ging eine stark musische Prägung und es entwickelte sich der Begriff Künstlerdorf, was hauptsächlich auf zahlreiche Maler und Bildhauer im Gemeindegebiet zurück ging.

Dieses besondere Flair des Gemeinwesens wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Hiervon angezogen wurde Angelmodde für wohlhabende Städter zum begehrten Siedlungsgebiet. Die Stadtanbindung im Zuge der Eingemeindung tat ein Übriges, so dass in nur einem Jahrzehnt die Baulandpreise um etwa 500 Prozent anstiegen (von rund 80 DM auf bis zu 400 DM). Einheimische konnten sich so etwas kaum noch leisten.

Die reichen Neubürger waren aber meistens nur an den landschaftlichen und kulturellen Reizen, nicht hingegen auch an einem gemeinsamen Dorfleben interessiert. Statt hierzu einen Beitrag zu leisten, waren sie in aller Regel bestrebt, die teuer erworbenen Grundstück mit Mauern und Hecken zu umzäunen, so dass die offene und ungezwungene Lebensart immer mehr verloren ging. Sozial mutierte Angelmodde zu einer Vorstadtsiedlung ohne eigene Seele.

Bildhaft dafür steht der Dorfplatz, früher ein lebendiges Zentrum. Es gab hier eine Bäckerei mit Lebensmittelgeschäft, die Dorfschreinerei, einen "Bierverlag" und natürlich gegenüber der Kirche eine Dorfgaststätte. Heute gibt es nur noch Wohnbebauung. Der Platz selbst ist lediglich Erschließungsweg und Autoabstellfläche, soweit er nicht zur Grünanlage umgestaltet wurde.

 

Blick vom Bauernhof Hoffschulte auf die dörfliche Bebauung jenseits der Angel