Der Titel


PROVINZIALHAUPTSTADT

bringt den Charakter von Münster auf den Punkt.

Einerseits ist die Stadt weltoffen, auf der anderen Seite jedoch ebenso provinziell – ein Spagat mit Spannungsbogen, der hervorragend funktioniert und Lebensqualität garantiert.

Das aktuelle Münster profitiert von zwei alten strategischen Grundentscheidungen, nämlich von dem weitgehend originalgetreuen Wiederaufbau der historischen Altstadt nach dem zweiten Weltkrieg und von der Umwandlung der ehemaligen Stadtbefestigung in einen umlaufenden Grüngürtel.


Prinzipalmarkt mit Lambertikirche

 

1. Der Prinzipalmarkt

wird als die gute Stube von Münster bezeichnet und strahlt genau dies authentisch aus. Er ist der vornehmere Teil einer Giebelhäuser-Runde um den Domplatz und beherbergt so wichtige öffentliche Gebäude wie das Rathaus, den Münzturm und das Stadtweinhaus. Mit den angrenzenden Fußgängerzonen und dem Domplatz bildet er den gediegenen Kern der Stadt, der schnell vertraut sowie anheimelnd wirkt. Wer westfälische Gemütlichkeit sucht, kann sie hier finden, allerdings auch in einigen Vierteln rund herum, insbesondere im Kreuzviertel und am Hafen.


 

Der Dom-Platz (an einem Markttag) mit den umlaufenden Giebelhäusern: 

Die obere Häuser-Reihe (mit Rathaus) steht am Prinzipalmarkt

         

 

 

2. Die Promenade

ist die Bezeichnung des Grüngürtels. Sie wird als „Fahrradschnellstraße“ genutzt und symbolisiert die Grundeinstellung der Münsteraner zur Mobilität.

Münster ist in Deutschland die Fahrradstadt schlechthin. Münsteraner sind deshalb ein wenig schizotym: sitzen sie hinterm Steuer, schimpfen sie regelmäßig über die dominanten Radfahrer; fahren sie ebenso häufig und genau so mit dem Rad, schimpfen sie auf die rücksichtslosen Autofahrer, die auch nicht anders fahren als sie selbst.

Was Fremde häufig überrascht und größtenteils verunsichert: zwischen dem motorisierten und dem nicht motorisierten Verkehr herrscht in etwa Chancengleichheit, wenn auch mit deutlich gefühlter Unterlegenheit der Autofahrer.

Ein Stück Promenade quer durchs Kreuzviertel

 

Das innerstädtische Fortbewegungsmittel ist das Rad. Alles ist darauf abgestimmt. Von der Promenade aus ist jeder Punkt der Innenstadt mit der sogenannten Letze in weniger als 5 Minuten zu erreichen. Was früher dem Landadel die Stadtwohnung war, ist heute für den urbanen Münsterländer das in Bahnhofsnähe abgestellte Stadtrad.

Am Bahnhof stehen tagtäglich immer mehrere tausend Pendlerräder und gibt es sogar ein Fahrradparkhaus.

 

 

Die Westfalen-Metropole Münster ist als Bischof- und Beamtenstadt eher traditionell aufgestellt, als Studentenstadt der größten Universität des Nordens (neben der Millionenstadt Hamburg) jedoch recht lebendig. Sie ist eine Hochburg der Bildung und lebt davon, sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Hier zeigt sich am praktischen Beispiel, was Bildung so alles anrichten kann.

Jeweils zum Semesterbeginn weht ein frischer Wind durch das ehrwürdige Gemäuer, der immer wieder Ansätze einer konservativen Verkrustung verhindert und so die Stadt in Bewegung hält.

Aufgrund des verbreitet hohen Bildungsstandes ist der sogenannte mündige Bürger hier nicht nur ein Phantom, sondern hin und wieder tatsächlich anzutreffen. Relativ häufig gelingt es sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich, auf solider Basis konfliktarme Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Deshalb steht die Stadt im Wesentlichen gut da und finden Populisten oder Marktschreier kaum Gehör.

Münsteraner sind als kritische Verbraucher bekannt, die zudem nur das kaufen, was sie sich auch leisten können. Auf Dauer hält sich bei den Kaufleuten nur redliches Geschäftsgebaren mit der Folge, dass Münster als Einkaufstadt einen besonderen Ruf genießt. Das gilt insbesondere für die hiesigen Märkte.


Der große Markt am Samstag auf dem Domplatz